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Odi et amo: quare id faciam, fortasse requiris.
Nescio, sed fieri sentio et excruior.
Ich hasse und liebe. Warum ich das tue, fragst du vielleicht.
Ich weiß es nicht, aber ich fühle es geschehen, und ich werde dadurch gequält
.

„Kokain ist nicht schwindelerregend. Schwindelerregend kann aber sein, was unter dem Einfluss von Kokain passiert. DerJournalist Tito Arnaudi in Pitrigillis Roman „Kokain“ ist nach einigen schlaflosen Koksnächten zum Beispiel in der Lage, einen aufrüttelnden Artikel über eine Hinrichtung zu schreiben, die, wie sich später herausstellt, gar nicht statt gefunden hat, weil der Delinquent im letzten Moment begnadigt wurde. Auch das kommt vor und ist nicht unbedingt schwindelerregend.

Dass aber der Autor des Artikels selber der festen Überzeugung ist, Zeuge der Hinrichtung gewesen zu sein, könnte schwindelerregend sein. Zumindest für die Person, der dies passiert. Für die andern ist es eher kurios und lustig. (...)Das ist das Problem, wenn man Schwindelerregendes auf die Bühne bringen will. Der Zuschauer rechnet damit und ist amüsiert oder gelangweilt, jedenfalls wird ihm nicht schwindlig.
Schwindelerregend sind eher Alkohol, Haschisch und manchmal auch Verliebtheit. Außerdem regt sich Schwindel wenn man sich ganz schnell im Kreise dreht oder wenn man in die Tiefe blickt.

Der Schwindel, der durch die Philosophie ausgelöst wird, soll dem ähneln, der durch den Blick in einen Abgrund oder das Schwanken des Bodens entsteht.

Er ist relativ selten, obwohl es ein Desiderat der Aufklärung ist, ihn durch konsequentes Denken zu erzeugen.

Die höchste Aufgabe, auch für das Theater, ist es laut Aufklärer Denis Diderot, solcher Art Schwindel beim Publikium zu erzeugen:

„dass Ungewissheit, Bekümmernis in allen Gemütern herrschen und euere Zuschauer den Unglücklichen gleichen, die in einem Erdbeben die Mauern Ihrer Häuser wanken sehen und die Erde ihnen einen festen Tritt verweigern fühlen.“

Es ist aber im Theater nur selten gelungen, diese Aufgabe wirklich zu erfüllen, am ehesten noch den tschetschenischen Rebellen, die das Musical-Theater in Moskau besetzt hatten.

...Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze, wohl aber kann man durch allzu großes Training in der Pfütze unfähig zum Matrosen werden.

Der Mißbrauch einer Sache macht diese nicht böse, wenn sie nur an sich selbst gut ist. Eine goldene Kette ist gut; sie wird auch dadurch nicht ärger, daß sie irgendeine Hure am Halse trägt.

Das Schwindelerregende an Jakob Vinjes und Markus Boestfleischs Arbeit zu diesem Thema ist der Unterschied ihrer Erfahrung mit dem Schwindelerregenden. Die beiden lernten sich in Augsburg 2006 kennen.

Markus Boestfleisch war in Augsburg-durch eine Langzeittherapie (neudeutsch: Rehab), einer selbstgewählten Reise um den Zusammenhang von Drogenkonsum und seinen eigenen Persönlichkeitsstrukturen kennen zu lernen-seßhaft geworden.
Jakob Vinje war mit Andre´ Eisermann auf Tournee.

Am ersten gemeinsamen Abend fanden sie zu diesem Thema, es hat sie nicht mehr losgelassen.
Ihre Gemeinsamkeit ist die Neugier auf dieses „Desiderat der Aufklärung“, auf diesen Abgrund blicken, sich besaufen, breit sein und sich fett machen und dabei so Lieder singen, das kann jeder.

So stand für „thekillerinmeisthekillerinme“ immer fest, auch gesprochene Texte als ausdrückliches Ausdruckselement zu begreifen.
Und die Gelegenheit die kompositorische Kraft von Jakob Vinje zu nutzen, um sie in die peinliche Stille dringen zu lassen, die peinliche Stille, die eintritt, wenn man über Konsum, Sucht, Koks und Cartier auf Raten zu sprechen beginnt.

Meinung haben und gemeinsam mit und für das Publikum in den Abgrund schauen.
Sich an den Händen fassen und bestenfalls springen, manchmal springt eben nur einer oder zwei....

Es ist ein großer Irrtum, wenn man glaubt, des Menschen Wille hänge von der Erkenntnis ab, umgekehrt, die Erkenntnis hängt vom Willen ab.

Il nefaut pas espe´rer pour commencer, ni vraincre por continuer.
Man muß nicht hoffen, um anzufangen, nicht siegen, um fortzusetzen.

wer kritik übel nimmt hat etwas zu verbergen

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